Das Spiel
Spielkonzept
WTOpoly ist Monopoly nach den Regeln der Welthandelsorganisation, WTO. Das Spiel dient mit seinen 6x6 Metern als Bühne für ein Welthandels-Aktionstheater. Die Spielfiguren sind Konzerne und das Spielfeld die globalisierte Welt.
WTOpoly ist politisches Straßentheater und wird im öffentlichen Raum gespielt. Das Spiel macht anschaulich, nach welchen Regeln und nach wessen Interessen der globale Handel funktioniert. Genau das wollen wir den ZuschauerInnen vermitteln und sie dazu auffordern sich näher zu informieren, aktiv zu werden und nicht weiter bei dem unfairen Spiel des Welthandels eine unbeteiligte Rolle zu spielen. Damit das gelingen kann, sind alle Beteiligten wichtig. JedeR sollte versuchen, sich möglichst gut in seine/ihre Rolle hinein zu versetzen und sich entsprechend zu verhalten.
Zudem sind informierte Leute am Infostand und beim Flugblattverteilen ganz wichtig. Wie bei Monopoly geht es bei WTOpoly darum möglichst viele Gewinne einzustreichen. Der Unterschied ist, dass diejenigen die verlieren werden (Umwelt, Menschenrechte, ein Großteil der Menschen) erst gar nicht mitspielen dürfen.
Moderation
Der oder die ModeratorIn hat eine entscheidende Rolle, er muss dem unbeteiligten Publikum klar machen, worum es hier geht. Er sollte sich gut mit dem Thema auskennen und immer wieder die Rolle der WTO in der internationalen Handelspolitik beschreiben.
Die Passanten sollten, auch wenn sie nur kurz stehen bleiben, hören/ verstehen:
- Wir spielen WTOpoy, Monopoly nach den Regeln der Welthandelsorganisation!
- Die Konzerne freuen sich bei diesem Spiel, die Globalisierungsverlierer leiden, die Bevölkerung protestiert
- Auf dem Spielfeld passieren Dinge, die wir uns nicht ausgedacht haben, sondern die wirklich so geschehen (auch schon in Deutschland oder speziell in der Stadt, in der gespielt wird)
Die Moderation wiederholt deshalb die zentralen Regeln des Spiels (Stichwort: Freihandel, Schiedsrichter WTO) und ggf. auch die Aussagen der Mitspieler. Er beschreibt, was auf dem Spielfeld passiert, denn für die Zuschauer ist nicht alles so klar, wie für die Mitspieler!
Mehr Tipps zur Moderation gibt´s hier.
Spielverlauf
Im weiteren Verlaufs koordiniert die Moderation das Geschehen, kommentiert die Ereignisse, führt Interviews mit den MitspielerInnen ("Guten Tag, Menschenrechte. Sie haben sich hier gerade lautstark gegen die Privatisierung der Wasserbetriebe ausgesprochen. Was hat es damit auf sich?" "Wasser ist ein Menschenrecht und darf nicht zur Ware gemacht werden!" "Aha. Danke.")
MitspielerInnen
Beim WTOpoly gibt es mehrere feste Rollen. Diese sind:
- 3 Konzerne (Blauer, roter, gelber Konzern)
würfeln, investieren, streichen Moneten ein. - die WTO – sitzt am Tisch, macht die Regeln, verhandelt mit den Konzernen.
Kann durch 1-3 Personen hinter weißen Masken verkörpert werden. - 3 Leute in der Globalisierungsfalle: Umwelt, Menschenrechte und 80% der Menschen
sind eingesperrt und reagieren auf die Welthandelspolitik entsprechend der Ereignisse. - 1 ModeratorIn- kommentiert und erläutert das Spiel, seine Akteure und die Regeln.
- 1 Helferlein – verteilt Moneten, vergibt den Würfel, zeigt die Ereigniskarten herum.
- Mindestens 3 Personen, die die Bevölkerung darstellen
stehen am Rand, protestieren, zeigen die Folgen des Welthandels auf. Je mehr dort sind, desto besser.
Insgesamt werden also mindestens 11 Personen für das Straßentheater gebraucht. Dazu kommen dann noch die FlugblattverteilerInnen und jene am Infostand. Breite Bündnisse mit anderen Gruppen lohnen sich also.
Die 3 Konzerne
Es gibt einen roten, einen blauen und einen gelben Konzern, die sich auf dem Startfeld versammeln. Alle bekommen das gleiche Startgeld von 1.000.000 Moneten. Sie tragen auf ihren Anzügen Logos von verschiedenen Großkonzernen wie CocaCola, Monsanto, Shell, TUI,... Damit soll deutlich gemacht werden, dass es nicht um einige "böse" Firmen geht, sondern um die Gesamtheit und man auch nicht nach Wirtschaftssektor oder Herkunftsland spezifizieren kann, sondern diese Firmen längst international und brachenübergreifend agieren. Die Konzerne können auch mit Zigarren (Achtung, angezündet ist das ungesund!), Mobiltelefonen (gelegentliches Telefonieren und "Kaufen"! Verkaufen!" rufen, kommt gut an), Sektgläsern, Sonnenbrillen oder ähnlichen Luxussymbolen ausgestattet sein. Ihr Auftreten ist geldgeil, skrupellos, dominant. Die meiste Zeit über sind die Konzerne glücklich – schließlich können sie die Regeln des Welthandels diktieren.
Mehr dazu
Die WTO
An einer Seite des Spielfeldes sitzt die Vertretung der WTO – sie machen die Regeln. Mit weißen, anonymen Masken sitzen sie dort mit ausdruckslosen Minen als VertreterInnen der 149 Mitgliedsstaaten der WTO. Die WTO überwacht das Spiel und greift gelegentlich "regulierend" ein. Wenn beispielsweise ein Konzern eine 5 gewürfelt hat, aber doch eigentlich eine 4 Würfeln wollte, um auf das Freihandelsfeld zu gelangen. Dann werden meist einige gewichtige Argumente in Form von Moneten ausgetauscht und die WTO entscheidet, dass diese 5 eine 4 ist, schon immer war und immer sein wird. Aktiv in Erscheinung tritt die WTO darüber hinaus während der WTO-Ministerkonferenz; dann begibt sie sich gemeinsam mit den Konzernen unter das schwarz-verhangene Verhandlungszelt.
Die 3 Insassen der Globalisierungsfalle
Eingesperrt bis kurz vor Ende des Spiels schmoren die Umwelt, die Menschenrechte und 80% der Menschen in der Globalisierungsfalle. Sie können nichts am Spielverlauf ändern, weil sie in der WTO nichts zu sagen haben. Immer wieder machen sie sich bemerkbar, beschweren sich oder brechen zusammen (beispielsweise, wenn ein Menschenrecht verletzt wird oder die Umwelt in Mitleidenschaft gezogen wird) - aber das stört die Konzerne und die WTO nicht. Im Gegenteil, Konzerne, die "nur zu Besuch" sind, blasen der Umwelt Rauch ins Gesicht, kleben den Menschen den Mund zu oder treten den Menschenrechten in den A***.
Moderation
- immer gilt: langsam und deutlich sprechen!
- zentrale Inhalte wiederholen (auch wenn es einem blöd vorkommt, die Zuschauer brauchen das!)
- nicht zu viel auf dem Spielfeld hin und her rennen, denn das stiehlt den anderen Spielern die Show und macht das Spiel unruhig. Aber auch nicht stocksteif am Spielfeldrand stehen!
- bei Megaphoneinsatz: vorher testen, wie nah das Mikro an den Mund muss und in welche Richtung der „Megaphontrichter“ gedreht werden muss, wenn der Moderator mit den Mitspielern spricht (z.B. zum Publikum, auch wenn der Moderator mit der WTO spricht)
- wenn irgendetwas auf dem Spielfeld schief geht (z.B. die Ereigniskarten davonfliegen): einfach weiterreden, noch einmal wiederholen, was gespielt wird, was Freihandel bedeutet, was die WTO in wessen Interesse macht, die Mitspieler vorstellen, die Realität des Spiels verdeutlichen und warum gehandelt werden muss (die Abkommen sind für immer fest geschrieben und können nur unter großem Aufwand rückgängig gemacht werden!)
- wenn das Spiel nicht richtig Schwung hat: Einfach mal die Vorgänge auf dem Spielfeld (Protest und Leiden) nicht kommentieren und nach dem Ereignis weiter würfeln lassen. „Und der nächste Konzern ist schon wieder dran mit würfeln. Wir verspielen die Welt! Und weiter geht’s!“
- wenn die Mitspieler nicht „mitziehen“, kann der Moderator schon mal Impulse geben: „Ich höre die Bevölkerung protestiert immer lauter. Ihr scheint nicht zu gefallen, was da auf dem Spielfeld passiert...“ Oder: „Mir scheint, die Bevölkerung weiß nicht mehr, was sie sagen soll. Bei so viel Freihandel und Missachtung der Menschenrechte kann es einem auch schon mal die Stimme verschlagen.“
- Das Spiel ist ein Theaterstück und lebt von der übersteigerten Freude der Konzerne, dem unglaublichen Leiden der Verlierer, dem wütenden Protest der Bevölkerung. Natürlich sind aber immer ein paar Leute stiller als andere und wollen z.B. nicht vom Moderator befragt werden. Das können Moderator und Mitspieler vorher vereinbaren. Oder alle machen ein Handzeichen aus, das bedeutet, „Frag' jetzt ja nicht mich, ich hab keine Ahnung bei dem Thema...“
- Der Infotisch und die Menschen, die Flyer verteilen, sind die Ansprechpartner für interessierte Passanten. Der Moderator verweist demnach gelegentlich auf den Infotisch oder die „Informanden“: „Wenn Sie wissen wollen, was wir hiermit bezwecken, meine Damen und Herren, dann nehmen Sie doch so einen Flyer von der charmanten Dame im roten Pullover mit oder kommen Sie an unseren Infotisch! Informieren Sie sich!“
- Wenn die Passanten länger stehen bleiben und der Moderator den Eindruck hat, dass die was dazu sagen wollen: Einfach hingehen und fragen, z.B. „Was halten Sie denn von gentechnisch verändertem Essen/ von Kinderarbeit/ ...?“
Nur Mut! Die erste Runde wird meist chaotisch, aber dann wird’s immer besser!
Keine falsche Scheu! Ihr wisst, wie das Spiel abläuft. Das Publikum nicht!
Mehr Tipps zur Moderation gibt´s hier.
Helferlein
Es ist gut, aber nicht unbedingt notwendig, wenn die Moderation Unterstützung von einer weiteren Person hat. Diese kann die Spielkarten hochhalten, so dass die Moderation sie besser vorlesen kann und um sie dem Publikum zu zeigen. Sie kann die Moneten an die Konzerne austeilen und den Würfel weiterreichen.
Bevölkerung
Am Rande des Geschehens befindet sich die Bevölkerung. Im Verlauf des Spiels wird ihre Stimme immer lauter, sie fragt sich, was dort eigentlich gespielt wird – ohne sie! Mit Transparenten ("Das kann ich mir nicht leisten!", "Ich verhungere!", "Ich verdumme!",...) machen die SpielerInnen auf die Auswirkungen für die Menschen aufmerksam. Zusammen mit der Umwelt und den Menschenrechten protestiert sie lautstark gegen die fortschreitende Ausbeutung der natürlichen Ressourcen des Planeten und den Verkauf ihrer Grundrechte. Die Anzahl der Menschen in der Bevölkerung ist nach oben offen, je mehr, desto besser. Schließlich ist es die Bevölkerung die für ein Ende des ungerechten Welthandelstheaters sorgt: Sie stürmen das Spielfeld, befreien die Umwelt, die Menschenrechte und die Menschen aus der Globalisierungsfalle und setzen sich von nun an für Regeln ein die demokratisch, sozial und ökologisch sind.
Spielfeld
Für WTOpoly haben wir das allbekannte Monopolyspiel als Inspiration genommen. Dieses Spielfeld ist jedoch die Welt. Jede Seite hat 3 Länderfelder (ähnlich den Straßen), auf denen die Konzerne investieren können. Auf jeder Seite gibt es auch genau ein Gemeinschaftsfeld.
Die Eckfelder
- LOS!
ziehe 4.000.000 Moneten (die Währungseinheit des WTOpoly) durch Ausbeutungsgewinne ein. Hier stehen am Anfang alle Konzerne, während des Spiels bekommen sie dort die Moneten. - Die Globalisierungsfalle
hier sitzen die Umwelt, die Menschenrechte und 80% der Menschen in einem Gefängnis, dargestellt durch eine Art Lattenzaun. Die Konzerne kommen nur zu Besuch und können dann ihren Einfluss auf die Insassen spielen. - Frei Handeln
das "Freu-Feld" für die Konzerne. Hier kann ohne jede Einschränkung, ohne Regulierung und ohne Rücksicht auf Grundrechte, auf soziale oder umweltpolitische Aspekte frei gehandelt werden, wie es ja das langfristige Ziel der WTO ist. Ihr könnt euch selbst ausdenken, was auf diesem Feld passieren soll. Vorschläge sind: die Umwelt bricht zusammen Alle Konzerne freuen sich und tauschen fröhlich Geld miteinander aus oder stoßen mit ihren Sektgläsern an der Konzern darf zur Globalisierungsfalle hinüber gehen und allen Insassen in den A* treten ihr könnt auch einfach nichts machen, da auf dem "Frei Parken" Feld ja auch nichts passiert - Die WTO-Verhandlungen
Wenn ein Konzern auf dieses Feld kommt, dann treffen sich alle Konzerne und die WTO-Mitgliedsländer im schwarz verhangenen Zelt zu ihren geheimen Verhandlungen. Die Öffentlichkeit erfährt nicht, über was da gesprochen wird. Während der Verhandlungen werden fleißig Moneten ausgetauscht. Wichtig ist hier, dass die Moderation deutlich macht, wie die Verhandlungen ablaufen, welche Interessen dort von wem vertreten werden, und wer uns dort vertritt.
Spielverlauf
Ein Spiel dauert rund 15 Minuten. Es wird mit kurzen Pausen, in denen die ZuschauerInnen informiert und angesprochen werden, mehrmals wiederholt. Alle Beteiligten stellen sich auf, der oder die Moderation beginnt damit die Spielregeln vorzustellen und stellt dann alle MitspielerInnen kurz vor. Und macht von Anfang an auch deutlich, dass genau das jeden Tag real passiert. Los geht’s damit, dass der erste Konzern würfelt. Der Spielverlauf ist jetzt recht offen, es kommt drauf an, was die MitspielerInnen tun. Folgende Aktionen sollten möglichst auftauchen: Konzern kommt in ein Land, Ereigniskarte wird verlesen, Konzern bekommt Moneten, freut sich und stellt eine Konzernfiliale auf das Land in seiner Farbe. Das ist sozusagen der Normalfall. Konzern kommt auf Gemeinschaftsfeld, Karte wird verlesen, es gibt Moneten, Freude beim Konzern, Unmut und Beschwerde bei der Bevölkerung und in der Globalisierungsfalle Konzern würfelt eine bestimmte Zahl, die ihm nicht gefällt. Er zeigt das der Moderation an und geht zum Regeltisch der WTO. Nach kurzer Verhandlung mit Gesten und Moneten verkündet die WTO es sei nun also das Würfelergebnis, das der Konzern sich gewünscht hat, eingetreten. Ist doch ganz klar eine 5 und keine 4! Dann geht der Konzern auf das entsprechende Feld und es geht weiter wie oben. Konzern kommt über das Startfeld und bekommt 4.000.000 Moneten Ausbeutungsgewinn.e
Irgendwann (etwa nachdem jeder Konzern zweimal am Zug war) wird es der Bevölkerung zu viel. Sie hat lange genug nur zugesehen und ist immer lauter geworden. Jetzt will sie mitreden und stürmt das Spielfeld: Sie befreit die Insassen der Globalisierungsfalle und sperrt stattdessen die Konzerne ins Gefängnis ein. So wird gezeigt, dass die Leute nicht einfach nur zuschauen sollen, sondern dass sich etwas verändern kann, wenn die Menschen sich für ihre und die Rechte benachteiligter Menschen einsetzen. Am Ende gestalten die Menschen, die Umwelt und die Menschenrechte die Regeln: demokratisch, ökologisch und sozial. In der Abmoderation macht die Moderation auf die Aktualität des Spiels aufmerksam, darauf, dass die ZuschauerInnen an den Infostand kommen sollen und die Protestpostkarte unterschreiben,... Alle verlassen das Spielfeld und erholen sich für die nächste Runde oder helfen mit beim Flugblattverteilen, was sich in den Kostümen ganz gut macht.
Ereignis- und Gemeinschaftskarten
Hier findet ihr gebündelt alle vorhandenen Spielkartentexte. Wenn euch ein Aspekt der WTO-Politik fehlt: Ihr könnt gerne eine neue Karte erfinden. Bitte schickt uns dann den Text per eMail zu, so dass wir das Spiel darum erweitern können. Achtet dabei unbedingt auf die Länge und die Verständlichkeit des Textes.
Inventar
Hier eine kurze Übersicht, was das Spiel alles enthält:
- ein Spielfeld, 6x6 Meter
- Monetenscheine + die Kopiervorlage zum Geld nachdrucken
- mehrere Spielanleitungen
- einen großen Schaumstoffwürfel
- viele Ereignis- und Gemeinschaftskarten, laminiert
- die Spielregeln, laminiert
- Protestbanner für die Bevölkerung: je 2x "Ich verarme!", "Ich verhungere!", "Das kann ich mir nicht leisten!", "Ich verdumme!", "Ich verdurste!"
- je ein Kostüm für die Umwelt, die Menschenrechte und die 80% der Menschen
- ein Banner "Die Globalisierungsfalle"
- Anzüge und Krawatten für die WTO-VertreterInnen, sowie drei weiße Plastikmasken, Länderfähnchen, ein Banner "WTO – Wir machen die Regeln!" und ein Banner "WIR machen die Regeln – demokratisch, ökologisch, sozial!"
- Sonnenbrillen und Anzüge für die Konzerne
- Anzug für die Moderation
- schwarzes Tuch, um das Verhandlungsfeld abzuhängen
- Flyer zum WTOpoly
Nicht dabei sind:
- Kostüm für das Helferlein
- Tisch für die WTO
- Tisch für den Infostand
- Konstruktion für das Verhandlungsfeld, um die schwarzen Tücher zu befestigen. Was super geht, ist ein großer Sonnenschirm an dem die Tücher von allen Seiten mit Stecknadeln befestigt werden
Dieser Artikel wurde zuletzt geändert am 17.11.2006.










